Leider werden beide Begriffe synonym, d.h. in gleicher Bedeutung als Theorie und Praxis von Bildung und Erziehung benutzt, obwohl Pädagogik ursprünglich etwas Anderes als Erziehungswissenschaft meinte.
Einst war die Pädagogik nämlich die "Lehre" vom erzieherischen Handeln, d.h. ihr Interesse galt der Erziehungspraxis.
Die Erziehungswissenschaften hingegen beschäftigen sich mit Theorien über Bildung und Erziehung und sind daher auch abstrakter, ja in den Augen mancher Nutzer sogar lebensfremd.
Diese von mir genannte definitorische Trennung zwischen Pädagogik und Erziehungswissenschaften wurde durch den synonymen Sprachgebrauch quasi aufgelöst, so dass zwischen beiden Begriffen zwischenzeitlich kein Unterschied mehr besteht. Erwähnt man die Erziehungswissenschaften isoliert, so wird noch immer eher die theoretisch ausgerichtete Wissenschaft damit hervorgehoben.
Inhaltlich stellen die Erziehungswissenschaften keine einheitliche Wissenschaft dar, sondern sie "leiden" quasi unter einer großen Theorien- und Richtungsvielfalt.
Da sich die Erziehungswissenschaften mit hochkomplexen Sachverhalten beschäftigen sehen sich Erziehungswissenschaftler auch mit einer großen Theorienvielfalt mit entsprechend unterschiedlich ausgerichteten Theorienrichtungen konfrontiert.
Das Unterrichtsfach "Pädagogik" in NRW z.B. beschäftigt sich in den unterschiedlichen Klassenstufen mit:
- * 11.1 Erziehungssituationen u. Erziehungsprozesse
- * 11.2 Lernen u. Entwicklung
- * 12.1 Entwicklung u. Sozialisation in der Kindheit
- * 12.2 Entwicklung u. Sozialisation im Jugendalter
- * 13.1 Normen u. Ziele in der Erziehung
- * 13.2 Identität u. Erziehung
Zur Erklärung einzelner Teilbereiche bedienen sich die Erziehungswissenschaften aus dem Wissensbestand der sog. "pädagogischen Hilfswissenschaften":
- *Soziologie
- *Philosophie
- *Psychologie
Eine erziehungswissenschaftlich ausgebildete Person kann daher ihr erzieherisches und/oder unterrichtliches Handeln theoretisch reflektieren und in seinen Voraussetzungen und Konsequenzen auch begründen.