Donnerstag, 17. Dezember 2009

Heimerziehung und seine gravierenden Folgen......

FAMILIE: Eltern als Entwicklungsmotor
Werden Heimkinder frühzeitig in Pflegefamilien vermittelt, lassen sich Entwicklungsdefizite ausgleichen. Das ergab eine Feldstudie amerikanischer Forscher in Rumänien
Frühkindliche Erfahrungen prägen uns ein Leben lang. Deshalb kann die Vernachlässigung von Säuglingen und Kleinkindern langfristige Schäden verursachen – etwa wenn ihnen sprachliche und geistige Anregung sowie Kontakt zu engen Bezugspersonen verwehrt bleiben. Das Magazin Gehirn&Geist (Heft 1-2/2010) berichtet in seiner neuen Ausgabe über ein Feldexperiment in Rumänien, das die frühkindliche Entwicklung im Heim mit der in Pflegefamilien verglich. Fazit: Typische Defizite von Heimkindern lassen sich in der Obhut von Adoptiveltern teilweise ausgleichen. Je jünger das Kind bei der Vermittlung ist, desto besser.

Ein Team um Charles A. Nelson von der Harvard Medical School in Boston (USA) hatte 136 Kinder aus Bukarester Kinderheimen in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Hälfte wurde im Alter von 6 bis 31 Monaten in Pflegefamilien vermittelt, während die andere zunächst im jeweiligen Heim verblieb. Als weitere Vergleichsgruppe dienten 72 gleichaltrige Kinder, die bei Ihren leiblichen Eltern aufwuchsen.

Die Heimkinder lagen anfangs in ihrer Entwicklung deutlich zurück: Ihre Intelligenz und Sprachfähigkeiten waren vermindert und sie zeigten eher unsicheres Bindungsverhalten gegenüber den Betreuungspersonen. Doch ihr weiteres Schicksal war damit keineswegs besiegelt. In fast jedem der untersuchten Bereiche holten die in Pflegefamilien vermittelten Kinder im Laufe der folgenden Jahre den Entwicklungsvorsprung ihrer Altersgenossen zumindest teilweise auf.

Der Zeitpunkt der Vermittlung spielte dabei eine wichtige Rolle: So stieg die Intelligenz von Kindern, die mit höchstens zwei Jahren zu Pflegeeltern gekommen waren, stärker als die der später vermittelten Kinder. Ähnliches galt für die Entwicklung der Sprachkompetenz. Im Alter von zweieinhalb und dreieinhalb Jahren war der Spracherwerb bei Heimkindern sowie solchen, die erst kurze Zeit bei Pflegeeltern lebten, erheblich verzögert. Wer dagegen mindestens ein Jahr in einer Pflegefamilie gelebt hatte, hinkte dem normalen Altersdurchschnitt nur im Grammatiktest noch leicht hinterher.

Inwieweit sich ein Mangel an Zuwendung und Anregung ausgleichen lässt, hängt offenbar entscheidend davon ab, in welchem Alter die betreffenden Kinder Erfahrungen nachholen können.

Weitere Infos dazu im aktuellen Magazin Gehirn & Geist 1-2/2010 und hier:
FAMILIE Die sensiblen Jahre

Über Gehirn&Geist:
Gehirn&Geist ist das Magazin für Psychologie und Hirnforschung aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft. Es erscheint seit 2002, mittlerweile in 10 Ausgaben pro Jahr. Fundiert und allgemein verständlich berichten Wissenschaftler und Fachjournalisten in Gehirn&Geist über die Welt im Kopf. Schwerpunkte liegen dabei auf Psyche und Verhalten, Wahrnehmung und Bewusstsein, Intelligenz und Kreativität, Gefühle und Gedächtnis. Neue Erkenntnisse und Trends in der Psychotherapie und Medizin gehören ebenso dazu wie gehirngerechtes Lernen, Kindererziehung, Coaching und gesellschaftliche Debatten. Daneben informieren spezielle Sonderhefte ausführlich über Einzelthemen.

Freitag, 27. November 2009

Was ist Erziehungswissenschaft? (1)

und was ist der Unterschied zur Pädagogik?

Leider werden beide Begriffe synonym, d.h. in gleicher Bedeutung als Theorie und Praxis von Bildung und Erziehung benutzt, obwohl Pädagogik ursprünglich etwas Anderes als Erziehungswissenschaft meinte.

Einst war die Pädagogik nämlich die "Lehre" vom erzieherischen Handeln, d.h. ihr Interesse galt der Erziehungspraxis.
Die Erziehungswissenschaften hingegen beschäftigen sich mit Theorien über Bildung und Erziehung und sind daher auch abstrakter, ja in den Augen mancher Nutzer sogar lebensfremd.

Diese von mir genannte definitorische Trennung zwischen Pädagogik und Erziehungswissenschaften wurde durch den synonymen Sprachgebrauch quasi aufgelöst, so dass zwischen beiden Begriffen zwischenzeitlich kein Unterschied mehr besteht. Erwähnt man die Erziehungswissenschaften isoliert, so wird noch immer eher die theoretisch ausgerichtete Wissenschaft damit hervorgehoben.

Inhaltlich stellen die Erziehungswissenschaften keine einheitliche Wissenschaft dar, sondern sie "leiden" quasi unter einer großen Theorien- und Richtungsvielfalt.
Da sich die Erziehungswissenschaften mit hochkomplexen Sachverhalten beschäftigen sehen sich Erziehungswissenschaftler auch mit einer großen Theorienvielfalt mit entsprechend unterschiedlich ausgerichteten Theorienrichtungen konfrontiert.

Das Unterrichtsfach "Pädagogik" in NRW z.B. beschäftigt sich in den unterschiedlichen Klassenstufen mit:
  • * 11.1 Erziehungssituationen u. Erziehungsprozesse
  • * 11.2 Lernen u. Entwicklung
  • * 12.1 Entwicklung u. Sozialisation in der Kindheit
  • * 12.2 Entwicklung u. Sozialisation im Jugendalter
  • * 13.1 Normen u. Ziele in der Erziehung
  • * 13.2 Identität u. Erziehung

Zur Erklärung einzelner Teilbereiche bedienen sich die Erziehungswissenschaften aus dem Wissensbestand der sog. "pädagogischen Hilfswissenschaften":
  • *Soziologie
  • *Philosophie
  • *Psychologie
Ein gutes erziehungswissenschaftliches Studium vermittelt neben theoretischen auch praktische Kenntnisse. In dazugehörigen Praktikas soll erziehungswissenschaftliches Wissen angewandt werden. Die oben genannte Wissenschaftsbereiche fließen dabei in die Reflexion des erzieherischen Handelns mit ein und wirken letztendlich auch handlungssteuernd.

Eine erziehungswissenschaftlich ausgebildete Person kann daher ihr erzieherisches und/oder unterrichtliches Handeln theoretisch reflektieren und in seinen Voraussetzungen und Konsequenzen auch begründen.